Tatsache ist, Herz-Kreislauferkrankungen sind laut Statistik Todesursache Nummer eins bei Frauen. Eine aktuelle Langzeitstudie des Universitätsklinikums Freiburg liefert neue Forschungserkenntnisse im Zusammenhang mit Schwangerschaftsblutwerten, die frühzeitig auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hinweisen.
Frühwarnsystem für Herz-Kreislauferkrankungen
Eine Schwangerschaft stellt für den weiblichen Körper eine besondere Belastung und Herausforderung dar und kann im Rahmen der Pränataldiagnostik beizeiten Aufschluss über die spätere Herz-Kreislauf-Gesundheit liefern. Das dokumentierte eine Forschergruppe des Universitätsklinikums Freiburg gemeinsam mit dänischen Medizinspezialisten in einer aktuellen Kohortenstudie, jüngst veröffentlicht im Fachjournal JAMA Cardiology. Sie untersuchten das Blut von über 2.000 schwangeren Frauen und verknüpften die Ergebnisse mit Gesundheitsdaten aus rund zwölf Jahren Nachbeobachtung. Dabei zeigte sich: Frauen mit erhöhten Werten eines bestimmten Blutmarkers erleiden nachfolgend häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzschwäche – auch dann, wenn sie zuvor als herzgesund galten.
„Eine Schwangerschaft wirkt wie ein natürlicher Stresstest für das Herz. Mit unseren Erkenntnissen können wir die Frauengesundheit langfristig verbessern. Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die Todesursache Nummer eins bei Frauen“, erklärt Prof. Dr. Dirk Westermann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Unsere Studie zeigt, dass sich bereits in der Schwangerschaft Hinweise finden lassen, die auf ein später erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hindeuten – lange bevor Beschwerden auftreten“, bestätigt Erstautor und wissenschaftlicher Leiter der Studie Dr. Lucas Bacmeister, Kardiologe an der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
Erhöhte Blutmarkerwerte sFlt-1 sind alarmierender Risikoindikator
Die Datenerhebungen stammten aus einer groß angelegten Kohortenstudie in Süd-Dänemark mit 38.455 schwangeren Frauen. Bei 2.056 Frauen wurden Blutmarker in der Schwangerschaft gemessen; 28 Probandinnen entwickelten innerhalb von rund 12 Jahren eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Frauen im Schnitt gerade einmal etwa 40 Jahre alt. Nachweislich sind erhöhte Werte vom Blutmarker sFlt-1 im letzten Drittel der Schwangerschaft sowie Schwangerschaftsbluthochdruck mit einer größeren zukünftigen Gefährdung für schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten verbunden. Die Kombination aus Alter und diesem Marker ermöglichte eine genauere Risikoeinschätzung als klassische Messfaktoren wie Blutdruck oder Cholesterin allein.
Nachsorgesprechstunde für Präeklampsie-Patientinnen
Von Bluthochdruck sowie dem Vorhandensein von Protein im Urin (Proteinurie), fachbegrifflich Präeklampsie, sind sechs bis zehn Prozent aller Schwangeren betroffen. Die für Mutter und Kind komplikationsreiche hypertensive Erkrankung tritt typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche auf. Um diese Frauen auch nach der Geburt umfassend zu betreuen und potenzielle Risiken zu minimieren, wurde am Universitätsklinikum Freiburg eine spezialisierte Nachsorgesprechstunde eingerichtet. Diese steht auch Frauen mit Schwangerschaftshochdruck offen, die nicht am Universitätsklinikum Freiburg entbunden haben.
„Wir schaffen mit der Sprechstunde eine direkte Anlaufstelle für Frauen nach Schwangerschaftshochdruck“, betont Dr. Bacmeister, der die Sprechstunde koordiniert. „Mit standardisierten Terminen wenige Wochen nach der Geburt und erneut nach einem Jahr können wir rechtzeitig erkennen, wer eine aufmerksame individualisierte Betreuung benötigt und gezielt gegensteuern.“ Der qualifizierte Klinikservice entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Frauenheilkunde. „Die strukturierte Nachsorge ist ein wichtiger Schritt, um die langfristige Gesundheit der Patientinnen im Blick zu behalten“, ergänzt Prof. Dr. Ingolf Juhasz-Böss, Leiter der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. Ein begleitendes wissenschaftliches Register soll darüber hinaus helfen, das kostenfreie Zusatzangebot kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Quellenverweis: Universitätsklinikum Freiburg im Webportal/Publikation „Clinical Factors and Biomarkers During Pregnancy and Risk of Cardiovascular Disease“
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